Wozu nachhaltige Schülerfirmen genossenschaftlich organisieren?

Im niedersächsischen Projekt „Nachhaltige Schülergenossenschaften“ zeigt sich seit 2006, dass es für SchülerInnen, die heute auf ihr Berufsleben von morgen vorbereitet werden sollen, zwingend notwendig ist, ihr wirtschaftliches Handeln in den dauerhaft eingerichteten Schülerfirmen auch unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zu betrachten. Alle betrieblichen Entscheidungen (z. B. Produkt- und Dienstleistungsauswahl sowie der ständige Prozess der Verbesserung der Abläufe in der Firma) müssen im Dreieck der Ökonomie, der Ökologie und des Sozialen getroffen werden. Das Motto lautet: Erfolgreich wirtschaften in sozialer und ökologischer Verantwortung. Das ist zunehmend auch das Motto der realen Betriebe in der Weltwirtschaft. Klimaerwärmung, Ressourcenknappheit, aber auch wachsende soziale Spannungen in der Welt haben deutlich gemacht, dass mittel- und langfristig betriebliche Gewinne nur noch mit Methoden des nachhaltigen Wirtschaftens zu erzielen sein werden.

Wer also Schüler zukunftsorientiert zur Demokratie und zum zukunftsfähigen Wirtschaften führen will, muss die Konzepte der Genossenschaft und der Nachhaltigkeit zusammenführen – in den nachhaltigen Schülergenossenschaften!

Eine Genossenschaft ist im Prinzip ein Verein mit einem Geschäftsbetrieb. Es gibt eine Mitgliedergruppe, die bestimmte Ziele hat, deren Erfüllung mittels der Genossenschaft verfolgt werden soll.

Der Geschäftsbetrieb dient den Mitgliedern, indem er ihnen Leistungen oder Produkte anbietet und/oder ihre Arbeitskraft, auf jeden Fall aber ihr Kapital (Geschäftsanteile genannt) einsetzt.

Die Mitglieder wählen einen Vorstand und einen Aufsichtsrat und bestimmen auf diese Weise den Kurs der Organisation mit.

Der pädagogischen Zielsetzung wegen wird für Schülergenossenschaften eindringlich eine Mindestmitgliederzahl von sieben, ein dreiköpfiger Vorstand und ein mindestens dreiköpfiger Aufsichtsrat empfohlen.
 

Das heißt jedoch nicht, dass eine Schülergenossenschaft aufgelöst werden muss, wenn die Zahl der Mitglieder kurzfristig unter sieben fällt. Auch kann man über kurze Zeiten mit einem kleineren Vorstand oder Aufsichtsrat arbeiten, sollte aber immer eine zeitnahe Vollbesetzung anstreben.
 

Übertragen auf Schülerfirmen heißt das:

- In Schülergenossenschaften werden die Schüler die Mitarbeitenden sein,

- In der Schülergenossenschaft steht die demokratische Entscheidungsfindung, die
  Solidarität in der Zweckgemeinschaft und die gleichberechtigte Förderung aller
  Mitglieder
im Vordergrund,

- In der Schülergenossenschaft können auch große Teilnehmergruppen
  gleichberechtigt mitbestimmen
.
 

Die Mitglieder
Jedes Mitglied erwirbt mindestens einen Geschäftsanteil. Die Abstimmung in der Mitgliederversammlung (auch Generalversammlung genannt) erfolgt per Kopfstimmrecht.

Die Mitgliederversammlung
In der Mitgliederversammlung klären alle Mitglieder wichtige Satzungsfragen und fällen grundlegende Entscheidungen. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Willensorgan der Genossenschaft.

Der Vorstand
Der Vorstand besteht aus mindestens drei Genossenschaftsmitgliedern. Er wird von allen Mitgliedern gewählt. Dem Gesetz nach hat er die Genossenschaft eigenverantwortlich und satzungsgemäß zu leiten. Strategische Entscheidungen orientieren sich jedoch – auf Grund des gesetzlichen Auftrages der Mitgliederförderung – am Bedarf der Mitglieder und nicht an der Kapitalmehrung.

Der Aufsichtsrat
Zwischen den einzelnen Mitgliederversammlungen übernimmt der mindestens dreiköpfige Aufsichtsrat der Genossenschaft stellvertretend für die Mitglieder die Kontrolle der Geschäftsführung. Er wird von allen Mitgliedern gewählt.

Die Betriebsversammlung (Mitarbeiterversammlung)
In der Betriebsversammlung versammeln sich alle MitarbeiterInnen, ganz gleich ob sie Mitglieder sind oder nicht. Diese Betriebsversammlungen finden häufiger statt als Mitgliederversammlungen. Hier werden vor allem die alltäglichen betrieblichen Angelegenheiten diskutiert und entschieden.

Verantwortung und Haftung
Bedingt durch die Struktur der Genossenschaft tragen alle teilnehmenden SchülerInnen als Mitglieder die gleiche Verantwortung für die Unternehmensziele und dasselbe (geringe) Haftungsrisiko. Das bedeutet, dass sie sich vor einer Entscheidung auch über die möglichen Konsequenzen all ihrer Handlungen bewusst werden müssen. Der Vorteil: Hier stützt die Gemeinschaft das Individuum, denn dadurch, dass die Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, bleibt keiner alleine in der Verantwortung. Allerdings muss auch jeder die demokratisch gefällten Beschlüsse mittragen.

So haben SchülerInnen in Genossenschaften die Möglichkeit, neben einem großen Maß an unternehmerischem Denken vor allen Dingen auch ihre sozialen Kompetenzen zu schulen. Sie lernen in demokratischen Strukturen Verantwortung füreinander und für gemeinsame Ziele zu übernehmen.

Die Organisationsform der Genossenschaft ermöglicht es, das Haftungsrisiko des Einzelnen auf den eingelegten Geschäftsanteil zu beschränken.

Lernprozesse
Ein weiterer Vorteil von Schülergenossenschaften ist es, dass diese nicht auf ein Schuljahr begrenzt werden müssen, wie es bei ähnlichen Projekten der deutschen Wirtschaft der Fall ist. Hierdurch ergibt sich für LehrerInnen die Möglichkeit, Lernprozesse auch über längere Zeiträume anzulegen. Die SchülerInnen können die tatsächlichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen auch mittelfristig verfolgen und auf diese Weise besser von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren.

Es hat sich gezeigt, dass SchülerInnen, die auf diese Weise – nämlich durch die Genossenschaft in das Schulgeschehen eingebunden sind – besser motiviert sind und sich mehr für die Belange ihrer Schule zu interessieren als andere. Die Zeit, die sie in der Schule verbringen, nutzen sie intensiver für sich als es SchülerInnen tun, die keine Verbindung zwischen ihrem Leben und den Unterrichtsstoffen herstellen können.

In den bestehenden Projekten wird beobachtet, dass die SchülerInnen teilweise einen erheblichen Teil ihrer Freizeit investieren, um ihre genossenschaftliche Schülerfirma zu unterstützen und die Arbeit voranzubringen. Dadurch wird natürlich die Nachhaltigkeit des Gelernten verbessert.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass die Schülergenossenschaft durch das eben Erwähnte zu einem Profilmerkmal der Schule wird. Durch die Schulgenossenschaft wird die Öffnung der Schule nach außen zum natürlichen Bestandteil der Pädagogik. Auch die Betreuungszeiten an der Schule erweitern sich. Somit sind zwei wesentliche Anforderungen der Politik an Schule und Bildung gewährleistet.