Mitgliedschaft im Genossenschaftsverband

Eingetragene Genossenschaften werden durch Genossenschaftsverbände unterstützt, bei denen sie Mitglied sein müssen. Diese Verbände stellen in der Gründungsphase sowie danach Informationen und Beratung bereit. Sie sind zudem für die Gründungsprüfung sowie spätere regelmäßige Prüfungen zuständig. Beides kann auch für Schülerfirmen sehr hilfreich sein. Allerdings ist der finanzielle Gründungs- und Prüfungsaufwand für eine ordentlich beim Amtsgericht eingetragene Genossenschaft verhältnismäßig hoch und wegen ihrer geringen Umsätze für viele Schülerfirmen prohibitiv und damit ungeeignet.

Die Genossenschaftsverbände e.V. in Hannover und Weser Ems in Oldenburg stellen daher im Rahmen ihres gemeinsam mit dem Niedersächsischen Kultusministerium geförderten Projektes für Nachhaltige Schülergenossenschaften für interessierte Schulen entsprechende Gründungsberatungen zum Nulltarif bereit.

Für diese Schülergenossenschaften bieten die Verbände eine Quasi-Gründungsprüfung, eine Quasi-Eintragung und eine Quasi-Mitgliedschaft auf Zeit an. Dabei erbringt der Verband Beratungsleistungen und nimmt die Eintragung in das Register für Schülergenossenschaften vor.

Eine eigene Rechtsperson wird dabei nicht begründet. Die Schülergenossenschaft bleibt informell wie die meisten anderen Schülerfirmen auch – die sonstigen, beispielsweise vom Netzwerk Nachhaltiger Schülerfirmen in Niedersachsen (ehemals Transfer 21), DKJS oder Junior unterstützten Schülerfirmen, sind in der Regel ebenfalls nicht in Handels- oder Gewerberegister eingetragen –, nur dass sie eben nach den Regeln der genossenschaftlichen Organisationsform funktioniert.
 

Einer der großen Vorteile der Genossenschaft gegenüber anderen Rechtsformen liegt darin, dass das einzelne Mitglied nicht über den eingezahlten Geschäftsanteil hinaus für Verluste der Genossenschaft haftet. Damit allerdings Mitglieder, Dritte oder Gläubiger der Genossenschaft keine ungerechtfertigt großen Risiken eingehen müssen, sieht das deutsche Genossenschaftsgesetz vor, dass alle Genossenschaften Mitglied bei einem Prüfungsverband sind. Dieser nimmt eine so genannte Gründungsprüfung vor und später jedes Jahr eine regelmäßige Prüfung. Die regelmäßigen Prüfungen sind vor allem eine Rückversicherung für die Mitglieder, dass der Vorstand gut steuert und der Aufsichtsrat gut kontrolliert. Außerdem verstehen die Verbände diese Prüfung als beratende Prüfung. Das heißt es werden auch immer Empfehlungen gegeben, wie man die Genossenschaft betriebswirtschaftlich und in Hinblick auf den Fördererfolg für die Mitglieder effektiver machen kann.

Die so genannte Gründungsprüfung umfasst a) die Prüfung des Geschäftsplans auf Plausibilität und Schlüssigkeit des Geschäftskonzeptes. Sie dient dazu den potenziellen Mitgliedern vor Gründung der Genossenschaft mehr Sicherheit darüber zu geben, dass die Geschäftsidee zumindest das Potenzial hat zu funktionieren. Die Gründungsprüfung kann den Mitgliedern der Genossenschaft und ihren künftigen Geschäftspartnern das wirtschaftliche Risiko nicht abnehmen, das in jeder Unternehmensgründung steckt. Es wird aber überprüft werden, ob die wirtschaftlichen Annahmen, die der Gründung zugrunde liegen, plausibel dargelegt und in sich stimmig sind.

Die Gründungsprüfung umfasst ferner b) die rechtliche und wirtschaftliche Überprüfung der Satzung. Der Genossenschaftsverband prüft dabei, ob die Satzung vielleicht Bestimmungen enthält, die gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen und/oder unzweckmäßig sind.

Am Besten bespricht man die Satzung und den Geschäftsplan schon im Entwurf mit den Beratern der Genossenschaftsverbände, damit nicht nach der Gründungsversammlung Änderungsauflagen vom Verband gemacht werden, was unweigerlich dazu führt, dass die Gründungsversammlung wiederholt werden muss. Ein Ablaufplan für die Gründungsprüfung ist im Kapitel „Gründungsunterlagen“ beigefügt.

Weitere Vorteile der Mitgliedschaft im Genossenschaftsverband liegen in der Verbindung, die damit zu den Genossenschaftsbanken entsteht. So kann der Verband genossenschaftliche Ortsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken) bitten, Schülergenossenschaften Kontoführungsgebühren zu erlassen. Das geht auf Grund der beträchtlichen Wettbewerbszwänge im Bankensektor zumeist nur über ein Einwirken des Verbandes auf die Ortsbank, also von „Chef“ zu „Chef“.