Organisation einer nachhaltigen Schülergenossenschaft

In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit der Organisation einer Nachhaltigen Schülergenossenschaft.

Zum besseren Verständnis ein paar Hintergrundinformationen:

Eine Genossenschaft ist einem Verein sehr ähnlich, denn es handelt sich ebenfalls um eine Organisation der Mitglieder. Während allerdings ein Verein nur nebenbei eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben darf, ist der Hauptzweck einer Genossenschaft die wirtschaftliche Tätigkeit zum Wohle ihrer Mitglieder. Man spricht auch von der wirtschaftlichen Förderung der Mitglieder.

Das Genossenschaftsgesetz sieht für eingetragene Genossenschaften mittlerweile nur noch eine Mindestmitgliederzahl von drei vor. Bei bis zu 20 Mitgliedern kann man einen einköpfigen Vorstand haben und auf den Aufsichtsrat verzichten. Bei mehr muss es einen zweiköpfigen Vorstand und einen mindestens dreiköpfigen Aufsichtsrat geben.

Der pädagogischen Zielsetzung wegen und in Einklang aller an diesem Projekt Beteiligten (Kultusministerium Niedersachsen, Genossenschaftsverband, Genosssenschaftsverband Weser-Ems, Prof. Göler von Ravensburg, Fachhochschule Frankfurt/Main) wird jedoch für Schülergenossenschaften eindringlich eine Mindestmitgliederzahl von sieben, ein dreiköpfiger Vorstand und ein mindestens dreiköpfiger Aufsichtsrat empfohlen. Das heißt jedoch nicht, dass eine Schülergenossenschaft aufgelöst werden muss, wenn die Zahl der Mitglieder kurzfristig unter sieben fällt. Man kann über kurze Zeiten auch mal mit einem kleineren Vorstand oder Aufsichtsrat arbeiten, sollte aber immer eine zeitnahe Vollbesetzung anstreben.

In allen folgenden Dokumenten wird von einem Szenario mit mindestens sieben Mitgliedern, einem dreiköpfigen Vorstand und einem mindestens dreiköpfigen Aufsichtsrat ausgegangen. Soll mit weniger Gremienmitgliedern oder ohne Aufsichtsrat gearbeitet werden, müssen die Vorlagen entsprechend angepasst werden, also die entsprechende Zahl eingesetzt oder Passagen, die auf den Aufsichtsrat verweisen, gestrichen werden.
 

Die Mitglieder der Schülergenossenschaft treffen sich regelmäßig in der Generalversammlung / Mitgliederversammlung, haben alle eine Stimme und wählen den Vorstand und den Aufsichtsrat.

Die wichtigsten Bausteine einer genossenschaftlichen Organisation sind
- die Generalversammlung/ Mitgliederversammlung aller Mitglieder,
- regelmäßige Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen,
- die Satzung und evtl. die Geschäftsordnungen für Vorstand und Aufsichtsrat.

Die Generalversammlung / Mitgliederversammlung, den Vorstand und den Aufsichtsrat nennt man auch die „Organe“ oder „Gremien“ der Genossenschaft.
 

Die Satzung und die Geschäftsordnungen regeln die Rechte und Pflichten der verschiedenen Personen und Organe in einer Genossenschaft.

 

Die „Organe“ einer Nachhaltigen Schülergenossenschaft

Die Generalversammlung / Mitgliederversammlung

Das ist zunächst die Generalversammlung oder Mitgliederversammlung. Sie besteht aus sämtlichen Mitgliedern der Genossenschaft. Eine Generalversammlung/Mitgliederversammlung ist aber auch dann beschlussfähig, wenn nicht alle Mitglieder anwesend sind. Sie ist das höchste Willensorgan der Schülergenossenschaft. Die Mitglieder üben in der Versammlung ihre Rechte im Hinblick auf die Gestaltung und Entwicklung der Genossenschaft aus.

Die Generalversammlung hat wichtige Aufgaben: Nur die Generalversammlung kann die Satzung der Nachhaltigen Schülergenossenschaft ändern und nur die Generalversammlung kann den Aufsichtsrat und Vorstand entlasten. Des weiteren beschließt sie über das Jahresergebnis (Feststellung des Jahresergebnisses) und über die Gewinnverwendung bzw. Verlustdeckung.

Die Generalversammlung der Mitglieder tagt mindestens einmal im Geschäftsjahr, wenn nötig auch öfter (das sind dann außerordentliche General-/ Mitgliederversammlungen). Sie wird normalerweise vom Vorstand einberufen, jedoch können auch Mitglieder die Einberufung einer Generalversammlung verlangen. Dazu müssen sie schriftlich die Gründe für diese Einberufung angeben, und die beantragenden Mitglieder müssen unterzeichnen.

Die Generalversammlung beschließt mit einfacher Stimmenmehrheit, d. h. mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Jedes Mitglied hat eine Stimme.

Der Vorstand

Der Vorstand informiert die Generalversammlung mit einem Geschäftsbericht über die Lage der genossenschaftlichen Schülerfirma. Der Aufsichtsrat teilt den Mitgliedern daraufhin mit, ob der Geschäftsbericht des Vorstandes richtig ist und verliest die Ergebnisse der Prüfung, die einmal jährlich vom Genossenschaftsverband durchgeführt wird.

Der Vorstand der Nachhaltigen Schülergenossenschaft besteht aus mindestens drei Mitgliedern. Diese werden von der Generalversammlung gewählt. Der Vorstand hat die Aufgabe, die Geschäfte der Nachhaltigen Schülergenossenschaft zu führen. Er trifft sich so regelmäßig, wie nötig.

Der Vorstand führt die Geschäfte der Nachhaltigen Schülergenossenschaft gemeinsam. Er vertritt die Nachhaltige Schülergenossenschaft auch gemeinsam gegenüber Außenstehenden. Die Vorstandsmitglieder können selbst auch eine Abteilung leiten.

Die Mitglieder des Vorstands wählen in der Regel aus ihren Reihen einen Vorstandsvorsitzenden und einen Stellvertreter.

Der Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat besteht aus drei oder mehr Mitgliedern der Nachhaltigen Schülergenossenschaft. Er hat keine geschäftsführende Funktion, sondern die Aufgabe, die Lage der Genossenschaft zu kontrollieren. Seine Mitglieder treffen sich mindestens zweimal im Geschäftsjahr, bei Bedarf auch öfter. Wenn es zweckmäßig ist, können auch gemeinschaftliche Sitzungen mit dem Vorstand abgehalten werden. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam vom Vorstand und Aufsichtsrat beraten und getrennt beschlossen.

Der Aufsichtsrat lässt sich vom Vorstand laufend über die Geschäfte der Genossenschaft informieren und überwacht ihn in seiner Geschäftsführung. Er erhält vom Vorstand den Geschäftsbericht und das wirtschaftliche Jahresergebnis mit Gewinnverwendungs- oder Verlustdeckungsvorschlag zur Beurteilung und Prüfung. Das geschieht, bevor die Mitglieder zur Generalversammlung eingeladen werden. Der Aufsichtsrat informiert die Generalversammlung hierüber aus seiner Sicht, nimmt die Kommentare der Verbandsprüfung zur Kenntnis und gibt diese ebenfalls der Generalversammlung bekannt (insbesondere durch Verlesen der Schlussbemerkung des Prüfungsberichtes).

In der Generalversammlung, die nach Ende des Geschäftsjahres stattfindet, empfiehlt der Aufsichtsrat den Mitgliedern eventuell notwendige Veränderungen. Hat der Vorstand seine Aufgabe ordnungsgemäß durchgeführt, empfiehlt der Aufsichtsrat die Entlastung des Vorstandes.

Außerdem bildet der Aufsichtsrat den Mittler zwischen dem prüfenden Genossenschaftsverband und der Generalversammlung. Je nach Ergebnis der Prüfung empfiehlt der Aufsichtsrat den Mitgliedern die Weiterführung oder Auflösung der Nachhaltigen Schülergenossenschaft. Wenn der Verband Veränderungen vorgeschlagen hat, so werden diese den Mitgliedern ebenfalls vorgeschlagen.

Die Satzung

Jede Nachhaltige Schülergenossenschaft hat eine Satzung. Sie beruht auf der im Abschnitt „Gründungsunterlagen“  enthaltenen Mustersatzung der Verbände.

Folgendes muss in der Satzung mindestens geregelt werden:
- der Gegenstand des Unternehmens/der Firma,
- der Firmensitz / Name,
- Zweck und Art der Förderung der Mitglieder,
- die Beteiligung mit Geschäftsanteilen,
- die Rechte und Pflichten der Mitglieder,
- die Höhe des Geschäftsanteils,
- die Höchstzahl der Geschäftsanteile,
- Pflichteinzahlungen,
- Einzahlungsfristen,
- Überschussverteilung.

Jede Satzung muss beim Genossenschaftsverband eingereicht werden. Der Genossenschaftsverband hat u.a. die Aufgabe, diese Satzung rechtlich und wirtschaftlich zu prüfen. Z.B. wird nachgeschaut, ob etwa gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen wird oder ob die Satzung überhaupt ihren Zweck erfüllt.

Die Geschäftsordnungen für Vorstand und Aufsichtsrat

Meist geben sich die Gremien der Nachhaltigen Schülergenossenschaft eine Geschäftsordnung. Es wird aber empfohlen, Geschäftsordnungen erst dann einzuführen, wenn die Schülergenossenschaft in ihren Arbeitsabläufen schon eine gewisse Routine entwickelt hat. Im Abschnitt „Downloads” unter dem Kapitel „Gründungsunterlagen“ werden zwei Beispiele vorgestellt.

Rechte und Pflichten des Vorstands

- Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn die Hälfte des Vorstands anwesend ist,
- der Vorstand hat das Recht, Kündigungen vorzuschlagen,
- der Vorstand hat das Recht, eine Abmahnung auszusprechen,
- ein Finanzkonzept wird von der Finanzabteilung erstellt und vom Vorstand genehmigt,
- die Etats der einzelnen Abteilungen müssen von der Finanzabteilung überprüft und vom Vorstand genehmigt werden,
- eine Terminliste muss vom Vorstand genehmigt werden,
- für die Organisation der Schülerfirma ist der/die Vorsitzende zuständig und verantwortlich (Auftragsverteilung an die Abteilungen, Organisation
  sämtlicher Sitzungen, Organisation von Betriebsausflügen),
- Marketingkonzept und Verkaufsstrategien müssen von der Marketingabteilung erarbeitet und vom Vorstand genehmigt werden,
- die Preise der Produkte/Dienstleistungen werden von der Finanzabteilung kalkuliert und vom Vorstand genehmigt.

Rechte und Pflichten des Aufsichtsrates

- Der Aufsichtsrat arbeitet kooperativ mit dem Vorstand zusammen,
- er mischt sich nicht in die tägliche Geschäftsleitung ein, sondern nimmt die Rolle eines Aufsichtsorgans im Sinne der Mitgliederinteressen wahr
  (die Regelung zur Mitwirkung bei besonderen Entscheidungen/Beschlussfassungen muss aber in der Satzung erfolgen),
- seine besondere Pflicht ist es, darauf zu achten, dass die Geschäftsanteile der Mitglieder erhalten bleiben,
- mindestens zweimal im Geschäftsjahr besprechen Vorstand und Aufsichtsrat die Entwicklung der Schülergenossenschaft,
- der Aufsichtsrat darf die Bücher der Schülergenossenschaft einsehen,
- der Aufsichtsrat bewahrt Vertraulichkeit in allen Dingen der Genossenschaft,
- ist er überzeugt von der Bedeutung einer Information, so teilt er sie allen Mitgliedern in der Generalversammlung mit.

Meist gibt es neben Vorstand und Aufsichtsrat weitere verantwortliche Posten in der nachhaltigen Schülergenossenschaft, nämlich die Abteilungsleiter (siehe dazu auch die Darstellung „Beispiel für die Aufgabenverteilung in einer Nachhaltige Schülergenossenschaft“). Auch für diese ist es nützlich eine klare Vereinbarung über Rechte und Pflichten zu haben.

Rechte der AbteilungsleiterInnen

Vorstände können Abteilungsleiterfunktionen wahrnehmen, müssen es aber nicht. In der Regel gibt es in einer Genossenschaft neben Vorstand und Aufsichtsrat noch weitere Abteilungsleiter, die ebenfalls verantwortliche Positionen in der Nachhaltigen Schülergenossenschaft haben. Auch für diese ist es nützlich, eine klare Vereinbarung über Rechte und Pflichten zu haben. Einen solchen Katalog zu erstellen, ist eine der Pflichten des Vorstandes. Dieser könnte bspw. folgende Inhalte vorsehen:

- Der/die AbteilungsleiterIn hat das Recht, über den eigenen Monatsetat zu verfügen. Bei Ausgaben über xx Euro muss er/sie dies im Vorstand
  genehmigen lassen,
- jede/r AbteilungsleiterIn hat die Pflicht, die Abteilung nach außen hin zu vertreten,
- jede/r AbteilungsleiterIn hat die Pflicht, Informationen mit den anderen Abteilungen auszutauschen,
- jede/r AbteilungsleiterIn hat das Recht, an Fortbildungen, die im Interesse der Firma liegen, teilzunehmen. Der Vorstand entscheidet, ob die
  Kosten erstattet werden,
- jede/r AbteilungsleiterIin hat das Recht, die Teilnahme an Wettbewerben vorzuschlagen. Der Vorstand entscheidet darüber.

Die Abteilungen

Über diese Regelung der Rechte hinaus sollte sich die Nachhaltige Schülergenossenschaft von Anfang an Gedanken über die einzurichtenden Abteilungen und die Aufgaben der AbteilungsleiterInnen und des Vorstands machen.

Beispielsweise könnte das so aussehen:

Die Abteilungsleiter können viele Entscheidungen selbstständig fällen, weil sie direkt an den Aufgaben arbeiten. Der Vorstand muss stets den Überblick wahren und die Einzelinteressen der Abteilungen miteinander in Einklang bringen. Sonst kann es passieren, dass z. B. die Marketing-Abteilung mehr Dienstleistungen oder Produkte verkauft als die Produktions- bzw. die Leistungsabteilung überhaupt herstellen kann.
 

Eintragung beim Genossenschaftsverband

In Deutschland müssen eingetragene Genossenschaften – Genossenschaften also, die beim Amtsgericht eingetragen sind – Mitglied in einem Genossenschaftsverband sein. Ein Genossenschaftsverband hat u.a. die Aufgabe, die Genossenschaft zu beraten und zu prüfen. Dies geschieht vor der Gründung, aber auch regelmäßig danach, wenn die Genossenschaft arbeitet.

Mit den Prüfungen soll festgestellt werden, dass „nach den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen, insbesondere der Vermögenslage der Genossenschaft, eine Gefährdung der Belange der Genossen oder der Gläubiger der Genossenschaft …“ nicht zu befürchten ist (§ 11 Abs. 2 Nr. 3 GenG). Anders ausgedrückt, dass mit dem Geld der Mitglieder kein Schindluder getrieben wird.

Nachhaltige Schülergenossenschaften sind keine eigene Rechtsperson. Um aber eine Annäherung an die Wirklichkeit eingetragener Genossenschaften darzustellen, können sie bei dem Genossenschaftsverband e.V., Verwaltungssitz Hannover, und bei dem Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V. in Oldenburg eine Quasi-Gründungsprüfung und eine Quasi-Mitgliedschaft auf Zeit bekommen. Diese Verbände stellen in der Gründungsphase sowie danach genossenschaftsspezifische Informationen und Beratung bereit und führen jährliche Prüfungen der Schülergenossenschaft durch, was sehr hilfreich sein kann. Sie nehmen zudem – an Stelle des Amtsgerichts – die Eintragung in ein Register für Schülergenossenschaften vor.

Vorlagen für alle notwendigen Anmeldungen sowie ein Fahrplan für die Gründungsformalitäten sind im Abschnitt „Downloads” unter dem Kapitel „Gründungsunterlagen“ enthalten.